Jeden Tag ein Gedicht XV.

die eine von zwei tiefseequallen
war der andern so verfallen,
dass, wenn sie beieinander schwommen,
ihr stirn und herzchen fiebrig glommen

doch ganz umsonst ist mein geleuchte,
dacht sie sich und hatte feuchte
quallenaugen und beschloss zu fliehn,
ins weite meer hinauszuziehn.

nur eine woche später fand
ein dicker junge sie am strand
und warf sie ausnahmsweise nicht
der kleinen schwester ins gesicht.

Jeden Tag ein Gedicht XIII.

wenn all die kleinen, all die großen
all die bedeckten, all die bloßen
all die dummen, all die weisen
all die lauten, all die leisen
all die hungern, all die satten
all die schimmern, all die matten
all die jungen, all die alten
all die heissen, all die kalten
all die alten, all die neuen
all die lügner, all die treuen
all die rauhen und behaarten
all die glatten und ganz harten
all die braunen, all die blassen
all die trocknen, all die nassen
all die schönen, all die grauen
all die blonden, all die blauen
im flur an der garderobe häng‘,
ists da immer ziemlich eng.

Jeden Tag ein Gedicht XII.

Der Mensch ist Mensch nur, wenn er schafft.
Wenn er an seinem Brettchen sägt,
Und mittels Maß und Willenskraft,
In heilgem Zorn Parkett verlegt,

Der Mensch ist Mensch nur wenn er schraubt,
Weil er sich dann was höheres glaubt
Und es ihm das Gefühl verleiht,
Er schraube für die Ewigkeit.

Das Murmeltier ist Murmeltier
Weil es, wenn man’s beim Schlafen stört,
Zur Murmel wird.